Garten im Strudel der Zeiten – der „Blütengarten der Zukunft“ 1


Im Strudel der Zeiten hat sich die Funktion des Gartens für den Menschen sehr stark gewandelt. Im Garten wollen Menschen Kontakt zur „Natur“ aufnehmen – wohlwissend, dass er vom Menschen geschaffen, von der freien Natur getrennt, nach seinen Wünschen gestaltet und von diesem auf unterschiedliche Weise genutzt wird.

Im Garten möchte sich der Mensch erholen, einen Rückzug finden vom Stress des Arbeitsalltags und sich die Zeit angenehm gestalten – schön und nützlich. Der Garten soll alle Sinne ansprechen und wir möchten ihn

  • (an)sehen   –        in seiner Farben- und Formenvielfalt
  • riechen        –       mit vielfältigen natürlichen Düften
  • schmecken –       Obst -direkt von Baum oder Strauch, Gemüse, Kräuter und essbare
    ______________      Blüten – frisch oder verarbeitet in der (Garten)küche
  • hören           –       das Summen der Bienen und Insekten und das Singen der Vögel
    ______________     _zwischen den sie einladenden Pflanzen, das Rascheln der Blätter im
    _______________     Wind
  • fühlen          –       je nach Jahreszeit – die sonnige Wärme oder die frische Kühle im
    ______________    _Schatten oder in Verbindung mit Wasser, um dem wechselnden
    ______________    _Wärme- und Lichtbedürfnis gerecht zu werden.

 

Aufwachen: Hier steht doch Alles voller Unkraut, zwischen den fremden, bedrohlichen Pflanzen?

Was ist das eigentlich „Unkraut“ und von welchen Pflanzen fühlen wir uns bedroht? Waren die nicht schon da, bevor wir hier gegärtnert haben und haben wir, als Menschen, sie nicht als solche definiert: ungewollt, fremd, bedrohlich, invasiv …?

Eigentlich ist doch nur das „Unkraut“, das die sinnliche Erfahrung unseres Gartens stört – was wir eben nicht sehen, fühlen … wollen und was die Nutzung des Gartens nach unseren Plänen und Wünschen einschränkt. Das können und sollten wir schon bei der Gartenplanung berücksichtigen, zurückdrängen und lenkend eingreifen, wenn „die Natur“ uns hier und da doch mal einen Strich durch die Rechnung macht. Das liegt in der „Natur der Sache“, dass nicht Alles nach unseren Wünschen abläuft, aber „Wer Träume verwirklichen will, muss wacher sein und tiefer träumen als andere“ – eine Lebensweisheit des berühmten Staudengärtners und Gartenphilosophen, Karl Foerster, dessen Tod sich im Jahr 2020 zum 50. Mal jährt. Er hat in seinem Buch „Vom Blütengarten der Zukunft“ ¹ und in all den Gärten immer auf Vielfalt gesetzt. Je mehr Pflanzenvielfalt wir bei der Planung zulassen, umso weniger ungewollte Kräuter oder ungebetene Besucher können unser Gartenerlebnis stören. Und je weniger als störend empfunden wird, umso mehr wird der Garten zu einem Ort des Friedens. Die jahres- und lebenszeitliche Dynamik von Pflanzen und Tieren in unserem Garten machen ihn zu einem wahren Erlebnisort. Pflanzen sind ein wesentliches Element des Gartens und nicht etwa nur Kunst, Handwerk und Kommerz, die viele „Gartendesigner“ immer in den Vordergrund rücken. Die Kunst besteht vielmehr darin, Gebautes und Gewachsenes in einem Garten in Einklang zu bringen. So wird der Gärtner zum „Gartenkünstler“.

Cornelia Pacalaj

 

 

 

1 nach dem Titel des ersten von Karl Foerster herausgegebenen Buches: Vom Blütengarten der Zukunft, Furche-Verlag Berlin 1917